Begriffe Prinzip

  • Sadomasochismus, wie er hier beschrieben wird, geht immer vom Prinzip der Konsensualität aus. Konsensualität bedeutet (wie dort näher beschrieben) eine Einwilligung von beiden Seiten im Bewusstsein dessen, was geschehen wird.

    Erweitert wird diese Grundlage durch die auch manchmal als Motto bezeichneten Begriffe safe, sane and consensual. Sie werden oft ungefähr mit sicher, vernünftig, freiwillig übersetzt.


    Sie sollen in einer griffigen Formel die ethische Grundposition des Sadomasochismus zusammenfassen: Die Vermeidung von Schäden an der (geistigen wie körperlichen) Gesundheit steht vor der Lustbefriedigung, die Handlungen geschehen zwischen zurechnungsfähigen und einwilligungsfähigen Partnern und die Freiwilligkeit ist eine aufgeklärte, d.h. beide Partner wissen was auf sie zukommt (damit fallen "Tricks" wie leichte Bondage vereinbaren und den Bottom dann zwei Tage gefangenhalten aus).


    Diese "Verhandlungsethik" ist eine der Errungenschaften der sadomasochistischen Subkultur. Statt einer für alle geltenden Moral (die gewisse Handlungen erlaubt, andere verbietet) betont sie die individuelle Verantwortung der Beteiligten und verankert nur ethische Rahmenbedingungen, die Missbrauch ausschließen sollen.


    Die Ausgestaltung dieser Rahmenbedingungen (wo also z.B. Tabus sind, inwieweit die Dominanz des Tops in den Alltag übergreifen darf) bleibt den Beteiligten überlassen. Nur sie können für sich festlegen, was safe, sane und consensual ist. Was für den Einen noch safe sein mag kann für den Anderen schon weit jenseits der Grenzen liegen. Die Beurteilung eines Spiels durch Dritte führt daher häufig zu einer von zwei Fehlurteilen:


    Der Betrachter stellt eine vermeintlich unsafe oder nonconsensuelle Spielweise fest obwohl die Beteiligten das völlig anders sehen Der Beobachter mokiert sich über ein angeblich übertriebenes Sicherheitsbedürfnis, das für die Beteiligten jedoch eine wichtige Funktion hat.


    Die National Leather Association in den USA hat eine große Rolle bei der Verbreitung dieser Begriffe als Grundlage des Sadomasochismus gespielt:

    Zitat

    At the forefront of our thinking is that all sexual and play activities among adults must be Safe, Sane, and Consensual. Safe: we educate our membership and community on how to reduce the risk of AlDS and any sexually transmitted diseases. Sane: activities must be governed by sensible and sober guidelines and limits. Consensual: activities continue only as long as all the persons involved give their consent to its action. This keeps all of us healthy and mature in our body and self-esteem.

    Während unter safe hier nur der Schutz vor HIV fällt, bedeutet der Begriff für die meisten Sadomasochisten das Beachten all der Schutz- und Sicherheits-Maßnahmen, die von einem der Partner gewünscht werden. Wie das Leather Pride Flag übernehmen besonders in den USA Sadomasochisten das Motto als Möglichkeit einer einheitlichen, gemeinsamen Selbstdarstellung nach außen. In Europa steht dagegen weiterhin eher der Begriff der Konsensualität im Vordergrund.


    Einige Sadomasochisten bejahen zwar im Prinzip die Ideen hinter den drei Begriffen, wenden sich aber gegen ihre Stellung als Dogma. Eine andere Sichtweise, die mehr von der emotionalen Seite ausgeht, sieht Vertrauen als die Grundlage des Sadomasochismus, siehe dort.

Teilen