Süßes und Saures 1.0.0

Süßes und Saures

Süßes und Saures


„Hast Du vielleicht Geld?" Ich wühlte in meinen Taschen. "Nö. Nicht mal zehn Pfennig." Wir strichen um den Süßigkeitenautomaten herum, unruhig und hungrig wie kleine Tiere auf der Futtersuche. Der Junge war sicher erst elf, ich dagegen fast vierzehn, trotzdem steckte man mich fürchterlicherweise immer noch in Dirndl und Kniestrümpfe. Ich mochte Röcke schon, besonders zu Pullovern, aber in diesem Ensemble kam ich mir immer ein bißchen verkleidet vor - als sollte ich in einer Operette ein Bauernmädchen spielen, oder sowas.


Ich kannte den Jungen nicht, er wanderte hier genauso verloren durch die Räume des Instituts wie ich, während unsere Eltern unten in der Turnhalle ihren Tanzkurs machten.


Eine andere Beschäftigungsmöglichkeit gab es nicht, da war der Süßigkeitenautomat sicher der natürliche magnetische Anziehungspunkt. "Das da will ich!" sagte ich und tippte gegen das Glas, es war eine Schachtel mit kleinen Schokoladenkugeln. Der Automat war fast leer, und die besagte Schachtel stand als eine Art Muster im Vordergrund. Noch ehe wir uns weiter über unseren Appetit auf Süßigkeiten unterhalten konnten, erschien ein großer, dicker, kräftig gebauter Mann in der Türöffnung, er trug einen weißen Kittel wie die Lebensmittelverkäufer in alten Filmen, hatte einen Schlüssel in der Hand und einen Plastikkorb am Arm.