In der Nacht hatte es geregnet, doch jetzt war die Sonne herausgekommen und der Wald dampfte regelrecht. Julia, eine junge Frau, fast noch ein Mädchen, Anfang 20, schaltete vor der nächsten Kehre in den zweiten Gang runter und lenkte den alten VW-Bus Syncro mit Spaß durch den im Scheitelpunkt der Kurve über die Fahrbahn sprudelnden kleinen Gebirgsbach. Sie war auf dem Weg zurück zur Alm, hatte unten ein paar Kleinigkeiten eingekauft, nicht unbedingt aus Notwendigkeit, sondern weil ihr die Fahrt soviel Spaß machte. Da tauchten vor ihr auf dem Weg zwei Wanderer auf und mit Interesse stellte Julia fest, dass der eine eine kurze Lederhose an hatte.
Das sah ziemlich geil aus, fand sie. Die beiden machten bereitwillig Platz um sie vorbeizulassen. Im Rückspiegel besah sie sie sich nochmal. Auch von vorne machte der mit der Lederhose für sie eine gute Figur. Er war schlank, eher schmächtig als muskulös, rötlich brauner Dreitage Bart. Verkehrtherum getragene dunkle Baseballcap. Sein Alter war schwer zu schätzen. Er wirkte jugendlich, obwohl er wahrscheinlich die 40 schon überschritten hatte. Er war zwar nicht wirklich klein, aber erheblich kleiner als sein Begleiter. Der war bestimmt um die 1,90 Meter und viel schwerer gebaut, früher vermutlich mal athletisch, jetzt aber schon ein bisschen korpulent.
Ihn schätzte sie auf Ende 40. Vermutlich waren beide in Wirklichkeit etwa gleich alt. 40 Plus wäre als Alter vielleicht gar nicht schlecht, denn die nicht mehr ganz jungen waren auch nicht mehr ganz so wild und unberechenbar. Außerdem hatte diese Generation noch andere Vorstellungen von Rollenverhalten und so. Noch einmal in den Rückspiegel geblickt, bevor sie um die nächste Kurve verschwinden würde. Die Lederhose war keine übliche Trachtenhose, sie war schlicht graubraun mit Doppelreißverschluss, wie eine Zimmermannshose. Gehalten wurde sie von elastischen Textil-Hosenträgern, ähnliche Farbe, aber heller. Darunter hatte er ein schwarzes T-Shirt. Passt eigentlich alles, dachte sie schmunzelnd, sehr reizvoll. Oben angekommen setzte sie sich auf die überdachte Veranda und wartete ab. Es sah so aus, als würde es bald wieder zu regnen beginnen.
Roland und ich kannten uns noch von der Schule. Wir hatten schon lange diese Bergtour machen wollen, aber immer wieder war etwas dazwischen gekommen. Als es dann endlich doch noch geklappt hatte, waren wir aufgebrochen, obwohl das Wetter so zweifelhaft war. Da es keine große Tour war, eigentlich nur einer dieser mehr oder weniger unbekannten Vorberge und da es bekanntlich kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung gibt, wollten wir es immerhin versuchen. Ich hatte meine Lederhose, die ich mir vor ein paar Jahren schon gekauft hatte und mit der ich sehr zufrieden war, an. Leder wird nicht so schnell richtig nass und selbst wenn, kühlt es einen selbst dann nicht aus. Man kann damit an nassen Zweigen vorbeistreifen, oder sich auch mal mal auf einen feuchten Stein oder eine Bank setzen, ohne gleich auszusehen, als hätte man in die Hose gemacht.
Sollte es allzu fest regnen, hatte ich eine einfache Regenüberhose im Rucksack. Roland spöttelte über meine Lederhose, die er schon von anderen Wanderungen kannte, ganz gern, er nannte mich dann z.B. immer Hiasl statt Mathias, wie ich eigentlich heisse. Normalerweise mag ich es nicht Hiasl genannt zu werden, aber zum Bergsteigen fand ich es in Ordnung. Als wir losgingen schien es als hätten wir mit dem Wetter Glück. Es kam sogar die Sonne ein bisschen durch. Aber als der Wanderwegweiser von der Forststraße auf einen Steig über einen krautigen steilen Wiesenhang abzweigte, sah es schon wieder sehr nach Regen aus. Wir kamen über das steile Stück noch hinauf, da vielen bereits die ersten Tropfen. An der Hangkante sahen wir eine Hütte mit überdachter Veranda und in diesem Moment öffneten sich die Schleusen des Himmels, wie man so sagt, und es prasselte los. Wir sprangen auf die Hütte zu und retteten uns, schon leidlich angeduscht, unter das Vordach. Erst dort angekommen bemerkten wir, dass da schon jemand saß.
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Mathi L -
March 10, 2026 at 10:07 AM -
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